Die Geschichte der Österreichischen Militärmusik



Die Geschichte der "Österreichischen Militärmusik" ist die Geschichte einer sehr "zivilen Kunst"!
Wer sich mit ihr über das zufällige Anhören eines Marsches hinaus befasst, trifft auf Namen, die man nicht unbedingt in diesem Zusammenhang erwarten würde:

Johannes Brahms, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Joseph Haydn, Michael Haydn, Franz von Suppe´, Antonin Dvorak, Gioacchino Rossini, Richard Wagner .......
aber natürlich auch Johann Strauß Vater, Johann Strauß Sohn, Carl Michael Ziehrer, Franz Lehar und Julius Fucik.

Österreichs Militärmusik besitzt, wie die Militärmusik Europas, verschiedene "Wurzeln"!
Da war das Landknechtsleben mit "Flöte und Trommel", da waren die sprichwörtlich gewordenen "Pauken
und Trompeten" der Reiter!
Doch diese Instrumente hatten zuerst keine unterhaltende Funktion, sie dienten der Angabe des Marschtempos
und der Weitergabe von Befehlen.

Dazu kamen die schreckenerregenden, gewaltigen Eindrücke der türkischen Musik-Banda aus den Jahren
1529, 1532, 1664, 1683.
Ob vor "Wien", "Peterwardein" oder bei "Zenta", die Janitscharenmusik spielte auf den Schlachtfeldern, in den Belagerungsgräben, stundenlang, tagelang, wochenlang!
Die psychologische Wirkung dieser "Kriegsmusik" die von Cymbeln, Glöcklein, Schallmaien und Trommeln erzeugt wurden war groß - und war über Tausende von Kilometern und durch Jahrhunderte spürbar.

Auch in Friedenszeiten wuchs der Ruhm dieser Musikkapellen, denn beim Einzug der Botschafter des Sultans befand sich im großen Gefolge auch immer ein "Musikcorps".

Mit dem Ende der "Türkennot", der nach Jahrhunderten errungene Frieden ließen den Wunsch nach "eigener Musikkampfkraft" durchbrechen! Aus dunkelhäutigen Kriegsgefangenen wurden auserwählte, musizierwillige Menschen bekleidet mit abendländischen, aber auch mit k&k Uniformen.

"Die Kaiserliche Musikbanda, die auf sich hält, hält sich ihre Osmanen!" hieß es damals!

Der König von Polen "Johann Sobieski" besaß bereits im Jahre 1683 in seinem Entsatzheer eine "Türkische Musik".
So wurde also am 12. September dieses Jahres nicht nur zurückgeschossen, sondern auch "zurückgespielt".

"August der Starke", König von Polen und Kurfürst von Sachsen, ließ 1699 eine 27 Mann starke Janitscharenkapelle aufstellen. Die Musiker die ihre 8 großen Trommeln, 4 Pauken, 4 Paar Becken und 9 Schallmaien spielten waren allesamt Sachsen in orientalischen Kostümen.

So kam es, dass die meisten adeligen Inhaber der Regimenter um 1720 die ersten Regimentsbanden
aufzustellen versuchten.

Diese Regimentsbanden, auch "Hautboistenbanden" genannt, bestanden aus einer Besetzung von 8 Mann mit
folgenden Instrumenten: Oboe oder Klarinette, Fagott, Horn und Trompete.

Das Jahr 1741 gilt als das erste in der Entwicklung einer eigenständigen "österreichischen Militärmusik."

"Franz Freiherr von der Trenck", slawonischer Großgrundbesitzer und erfolgreicher Kämpfer gegen Räuberbanden in seinem Lande, stellte eine Truppe auf. Mit seinen Panduren kam er bis nach Wien, paradierte vor "Maria Theresia"
und zog weiter in den Kampf nach Schlesien.

Das "Wienerische Diarium" berichtete von dieser Parade:

"Am 20. Mai 1741 zogen 22 Pandurenkompanien zu 50 Mann an der jungen Thron-Erbin vorbei, begleitet von einer eigenen Musikkapelle mit 12 Musikern! Diese immer noch "türkische Musik" spielte "europäische Weisen"
aber auch einen von ihrem Kommandanten "Baron Trenck" komponierten Marsch!"

Im selben Jahr 1741 wurde in Mailand eine "Hautboistenbanda des Deutschmeister- Regimentes" aufgestellt.

Diese beiden neugegründeten Musikkapellen markierten also den Beginn eines musikalischen Werdeganges,
der Österreichs Militärmusik zur Weltgeltung brachte!

Die um 1800 eingeführten "Regimentsbanden" mit der Besetzung von 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Hörnern und
2 Posaunen bildeten die Basis zu Schaffung einer neuen Ära in der Geschichte der Militärmusik Österreichs!

Noch im Jahre 1796 stellte das Jahrbuch dieses Jahrganges fest: "Die Militärmusik ist entweder die
"gewöhnliche Feldmusik" oder die "türkische Musik"!

Damals bestand die "Feldmusik" oder auch "Musik-Banda" benannt, aus 2 Oboen 2 Fagotten und 2 Hörnern!
Im Gegensatz besand die "Türkischen Musik" aus folgender Besetzung: 2 Oboen, 2 Fagotten, 2 Klarinetten , 1 Okatvflöte, 1 Trompete, 2 Hörnern , 1 Triangl, 1 große Trommel, 1 kleine Trommel und 1 Paar Tschinellen.

Das "Goldene Zeitalter" der Militärmusik begann mit dem 19. Jahrhundert, dem fast jedes k&k Regiment eine
eigene Militärmusik besitzen wollte!

Bis zum Jahre 1918 gab es in der ganzen Monarchie 113 Kapellen. So unterhielten sich die Infanterieregimenter, die Marine, die kaiserlichen Jäger bis zu den Kavallerie- und Artillerietruppen eine Militärmusik.

Militärische Disziplin, eine ausgezeichnete musikalische Ausbildung, Beherrschung von mehreren Musikinstrumenten und nicht zuletzt ein breiter Umfang ihres Spielrepertoires prägte bereits in diesen Zeiten den Militärmusiker,
Eigenschaften dessen sich keine andere Musikinstitution in dieser Zeit rühmen konnte.

Einen wesentlichen Beitrag leistete zusätzlich die neue Regelung über die Länge des Militärdienstes für Militärmusiker!
So dienten Militärmusiker seit dem Jahre 1802 10 Jahre, später 14 Jahre und von 1842-1868 / 8 Jahre!
1868 wurde die Militärzeit auf drei Jahre gekürzt und diese neu angesetzte Militärzeit blieb bis zum Untergang der Donaumonarchie erhalten!

Schon im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts begannen Militärkapellen Konzerte zu veranstalten!
Die schon damals genannten "Platzkonzerte" erfreuten sich bei den Zuhörern immer größerer Beliebtheit und so wurde auch in Parkanlagen, auf Promenadenplätzen, bei Versammlungen und verschiedenen Festzügen, aber auch in Konzert- und Theatersälen aufgespielt.
Genau diese Veranstaltungen brachten den Militärkapellmeistern ein großartiges Prestige!

Zum Spielrepertoire der Militärkapellen gehörten meistens Kompositionen, die auf das Interesse der Zuhörerschaft festgelegt wurden.

So gehörten in dieser Zeit zu jedem Konzert Werke großer Meister, aber auch die Polonaise, Polka usw. Ouvertüren und sogenannte "Liedermixturen", arrangiert von den Militärkapellmeistern, dienten zusätzlich zur
Bereicherung des Spielrepertoires.
Selbstverständlich wurde bei solch einzigartigen Konzerten auf "den Marsch" nie verzichtet!

Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Symphonien, später auch Symphonische Dichtungen und Programmvorspiele in das Spielrepertoire aufgenommen.

Besonderer Beliebtheit erfreuten sich Melodien aus Opern und Operetten aber auch die eigens von den Regimentskapellmeistern zusammengestellten Potpourris.

Die "Repertoireeinheit" wurde von den Behörden streng überwacht!
Bereits im Jahre 1886 erließ das Reichskriegsministerium eine Verordnung, dass Auftritte in der Öffentlichkeit keinen politischen oder demonstrativen Charakter besitzen durften. Als Zensor war damals der Regimentskommandeur persönlich dafür verantwortlich!

Und genau in dieser Zeit kam es zu Spannungen zwischen Militärkapellen und Zivilkapellen.
So manches Mal wurde ein "offenen Kampf" ausgetragen!

Wie konnte es zu solchen Missstimmungen zwischen diesen Musikkapellen eigentlich kommen?

Die Zivilkapellen versuchten mit allen Mitteln die Sympathien jener Menschen zu gewinnen, die eine Musik für Veranstaltungen mit politischen oder demonstrativen Charakter benötigten! Die Militärkapellen durften ja solche Veranstaltungen nicht übernehmen!

Es war eine sehr schwierige Zeit für die Zivilkapellen!
Die großen Besetzungen der Militärkapellen waren immer ein Vorbild für die sich neu gestaltenden Zivilorchester gewesen und dadurch ergaben sich überwiegend große materielle Probleme für die Zivilkapellen! Zu all dem waren die Musiker der Zivilkapellen nicht in der Lage mit dem hervorragenden Niveau der Militärmusikkapellen zu konkurrieren.

Aber die Zivilmusikkapellen gewannen besonders im ländlichen Raum an musikalischen Stellenwert. So war ein gut eingespieltes Orchester für die Stadt oder draußen im Dorfe eine Besonderheit, die sich bei der Bevölkerung besonderer Beliebtheit erfreute!

Und so kam es, dass die Militärmusik des 19. Jahrhunderts als "demokratische Musikinstitution" bezeichnet wurde. Nun hatte man auch die Möglichkeit so manche Konzerte "ohne Eintrittskarte" und "ohne Abendkleider"
besuchen zu können!

Die Militärkapellen erfreuten mit ihren Konzerten das Volk in den Provinzbereichen, wo sonst noch keine
Musikkapelle konzertierte.

Der 20. September 1853 ging für die Militärmusik des Kaiserreiches Österreich-Ungarn sicherlich in die Geschichte ein.
An diesem Tage lud der Kaiser den russischen Zaren "Nikolaus I.", den preußischen, bayrischen und württembergischen Prinz, Erzherzöge und ranghohe Offiziere ein.

Ein Konzert, veranstaltet von insgesamt 1500 Musikern, zusammengesetzt aus 13 Infanterie-, 13 Jäger-, 11 Kavalleriemusiken und 300 Trommlern, fand einen großartigen Anklang!

Mit der musikalischen Leitung wurde Militärkapellmeister Andreas Leonhardt betraut!
Zum Spielrepertoire gehörte neben "Märschen" auch der "Zapfenstreich" des Militärkapellmeisters Andreas Leonhardt. . Zu all dem wurden sogenannte "Tongemälde der berühmtesten Schlachten" aufgeführt! Dabei handelt es sich um ein selbständiges "Genre der Militärmusik" in der Form einer Battaglia und militärischen Zapfenstreichen!

Laut Anordnung vom 22. 10. 1835 mit dem wesentlichen Inhalt der verschiedenen Bedingungen für die Außerdienstliche Darbietungen, war unter anderem damals nachzulesen dass "in den Militärkapellen Streichinstrumente vertreten sein mussten."

Somit war es möglich ein vollwertiges symphonisches Orchester zusammenzusetzen!

Die Anzahl von 34 Musikern wurde in einer Verordnung aus dem Jahre 1882 geregelt.
Aber bereits im Jahre 1851 erschien das Werk"Systemisierung der Militär-Musikbanden" des Kapellmeisters Andreas Leonhardt , in dem die Anzahl von Musikern einer Militärkapelle so angeglichen wurde, dass die Jäger- und Kavallerieregimente je 24 Musiker und Infanterieregimente je 48 Musiker hatten.

Zu der vorgegebenen Zahl hatte das Regiment zusätzlich die Möglichkeit noch weitere 12 Männer einzustellen. Diese 12 Militärmusiker waren meist in der Ausbildung und wurden als sogenannter "Nachwuchs der Militärmusik" deklariert.

Die Infanterieregimenter besaßen personenbezogen die größten Militärkapellen und so wird heute noch von Militärmusikkapellen dieser Regimenter gesprochen, die in dieser Zeit bis zu 80 Mann stark sein durften!

Zur letzten Änderungen im Bereich der Personalstruktur des Militärorchesters kam es im Jahre 1889 und seit dieser Zeit dienten bei der Regimentsmusik 43 Musiker. Erhalten blieb diese Besetzung bis zum 1.Weltkrieg!

Mit dem Zusammenbruch der Donaumonarchie endete eine Ära in der Geschichte der Militärmusik Österreichs!

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